# Videocall Christoph ↔ Geli — warum es hakt & was wir testen ## In einem Satz Es ist **nicht ein** Fehler, sondern **mehrere kleine Engpässe, die sich stapeln** — und ein Live-Videocall verzeiht das nicht. ## Das Bild: ein Gartenschlauch mit Knicken 🚿 - **Ein** Knick im Schlauch → läuft noch. - **Mehrere** Knicke gleichzeitig **und** du drehst den Hahn voll auf (HD-Video) → es spuckt und stottert. - Kein einzelner Knick ist „die" Ursache. Die **Verkettung** ist es. ## Warum ein Call so empfindlich ist (die 1/5-Sekunde-Regel) Netflix puffert 20 Sekunden vor, ein Download darf langsam sein. Ein **Gespräch** muss **jedes Häppchen in ~1/5 Sekunde** da sein — zu spät = wertlos. Darum gibt es keine sanfte Verschlechterung, sondern eine **Klippe**: genug Luft = perfekt, eine Winzigkeit drüber = Einbruch (Standbild, Roboterstimme, Turbo-Aufholen). **Und der Versatz, den ihr schon hattet (Bild/Ton >1 Sekunde auseinander):** Wenn Pakete verspätet und stoßweise ankommen, versucht die Gegenseite zu **warten und zu sammeln** (ein „Puffer"). Je mehr Stress, desto **größer wächst dieser Puffer** — bis Bild und Ton **um eine Sekunde oder mehr** auseinanderdriften. Der Versatz ist das sichtbare Zeichen, dass der Puffer verzweifelt gegen das Ruckeln ankämpft. --- ## Die einzelnen Knicke — einfach erklärt ### 1. Dunkles / Gegenlicht-Bild frisst MEHR Daten (klingt verrückt, ist aber so) Ein Video wird nicht als ganze Fotos verschickt. Das Handy **beschreibt** das Bild und schickt vor allem, **was sich ändert**. Ein helles, ruhiges Bild ist leicht zu beschreiben → **wenig** Daten. Im Dunkeln sieht die Kamera schlecht und **verstärkt** das Signal — dabei entsteht **Bildrauschen** (das körnige Geflimmer). Rauschen sieht **zufällig** aus und **ändert sich ständig**, auch wenn sich im Raum nichts bewegt. Zufällig + ständig anders = lässt sich **nicht kurz beschreiben** → das Handy muss **viel mehr** Daten senden. **Gegenlicht** macht's schlimmer: das helle Fenster zwingt die Kamera, den Rest abzudunkeln → dunkler Matsch voller Rauschen neben einem grellen Fleck. Paradox: **Je mieser das Bild aussieht, desto mehr Daten will es senden** — und reißt die Leitung genau im falschen Moment voll auf. Schafft die Leitung das nicht, gibt das Handy Details auf → die **klobigen Klötzchen** (Artefakte). ### 2. Gelis Internet: Fiber ist breit — aber nur bis zur Haustür Gelis Fiber kann auf dem letzten Stück **sehr schnell** sein (bis zu 1 Gbit möglich) — wie eine **breite Einfahrt**. Das Problem liegt **hinter** der Einfahrt: - Ihr **kleiner, lokaler Anbieter** muss den Verkehr aller Kunden auf die großen Autobahnen bringen — vor allem **über die Grenze nach Österreich**. Dorthin hat ein kleiner Anbieter eine **schmalere Auffahrt**, die sich alle teilen. **Abends = Stoßzeit = Stau.** - Dazu **CGNAT** (einfach): Statt Geli eine **eigene Adresse** im Internet zu geben, steckt der Anbieter **viele Kunden hinter eine einzige geteilte Adresse** — wie ein Wohnhaus mit **einem gemeinsamen Briefkasten**, an dem ein Portier alles sortiert. Jeder Datenschnipsel muss durch diese **eine gut besuchte Kreuzung** (mehr Verzögerung, kann unter Last verstopfen). Und ein **direkter Draht** zwischen Geli und Christoph ist so kaum möglich → der Verkehr macht einen **Umweg über die Vermittlungs-Server** des Messengers. Kurz: Die breite Einfahrt hilft nichts, wenn die **gemeinsame Dorfstraße + die Grenze + die geteilte Kreuzung** die engen, vollen Stellen sind. ### 3. WLAN: viel Bandbreite heißt nicht „immer pünktlich" Gelis WLAN ist eigentlich **gut aufgestellt**: ordentliche Geräte (Cudy WR3600E), **volle Sendeleistung**, 2,4 **und** 5 GHz, gute Abdeckung, praktisch **keine störenden Nachbar-WLANs**. Trotzdem kann es einen Call überfordern — und das hat **nichts mit der Menge** an Bandbreite zu tun, sondern mit **Pünktlichkeit**: - **WLAN ist eine Funk-Sprechstunde, bei der immer nur einer reden darf.** Sind weitere Geräte aktiv (TV-Stream, Tablet, Hintergrund-Download), müssen sich alle **abwechseln** → kurze Wartezeiten zerhacken den Call-Takt (**Ruckeln**). - **Funk verliert ständig kleine Stücke und schickt sie nochmal.** Bei Distanz, dicker Mauer oder Bewegung passiert das oft → die Daten kommen zwar an, aber **zu spät und im Pulk** = Ruckeln. Die „Bandbreite" sieht in der Statistik trotzdem okay aus — der **Takt** ist kaputt, nicht die Menge. - **Wichtig, oft übersehen:** Die volle Sendeleistung am Router hilft nur **in eine Richtung** (Router → Handy, also wie gut Geli **empfängt**). Das **Handy selbst sendet leise** (kleiner Akku, lässt sich nicht aufdrehen). Für den Call zählt vor allem **Gelis Handy-Uplink** — ihr **ausgehendes** Video, genau die schlechte Richtung! Der laute Router macht das **leise Zurückrufen des Handys nicht lauter**. An der **dicken Hausmauer draußen** ist genau dieser Rückweg am schwächsten. - **5 GHz vs. 2,4 GHz:** 5 GHz ist schnell, kommt aber **schlecht durch Wände**; 2,4 GHz kommt weiter, ist aber langsamer. Draußen an der Mauer landet das Handy auf einem **schwachen** Funkweg — egal welches Band. - **Zur Signalstärke am Router:** Was man da abliest, ist eine **Momentaufnahme**. Die Probleme sind kurze **Einbrüche/Spikes** (sie dreht sich weg, der Körper blockt, kurzer Schwund). „-55 dBm sieht gut aus" schließt **kurze Stürze auf -80** nicht aus — und genau die lassen den Call **kurz stocken**. ### 4. Roaming — nicht nur beim Handy im Ausland Geli kennt „Roaming" vom **Mobilfunk** (im Ausland ins fremde Netz). Im **WLAN** heißt Roaming etwas anderes: Es gibt **mehrere Funkstationen** (Access-Points) im Haus, und das Handy **wechselt** beim Herumgehen von einer zur nächsten. Dieser Wechsel ist **kein nahtloses Gleiten** — das Handy muss sich am neuen Punkt **kurz neu anmelden**. Das dauert nur Sekundenbruchteile, aber **genau in dieser Lücke** fehlt dem Call ein Stück → Aussetzer beim Aufstehen/Gehen. --- ## „Qualität runter" — warum das hilft und was die Tests verraten Je höher Auflösung/Bildrate und je schwieriger das Bild (dunkel/Gegenlicht/Bewegung), desto **mehr Datenrate** braucht das Video. Senkt man die Qualität (oder schaltet die Kamera aus), sinkt die geforderte Datenrate → es passt wieder leichter durch die **engste Stelle**. Genau deshalb ist das ein **Diagnose-Werkzeug**. ### Telegram „weniger Daten für Anrufe" einschalten Dieser Schalter weist Telegram an, für Anrufe **sparsamer** zu funken. **iPhone (iOS):** 1. Telegram öffnen → unten rechts **Einstellungen**. 2. **Daten & Speicher**. 3. Bereich **Anrufe** → **„Weniger Daten für Anrufe"** → **„Immer"**. **Android (Galaxy):** 1. Telegram öffnen → oben links **☰-Menü** → **Einstellungen**. 2. **Daten & Speicher**. 3. Bereich **Anrufe** → **„Weniger Daten für Anrufe"** → **„Immer"**. > Hinweis: Den **größten** manuellen Effekt bringen **Licht**, **Position** und notfalls **Kamera aus** — > die genaue Videoqualität regelt Telegram sonst automatisch. --- ## Was wir jetzt testen — 5 Minuten, kostet nichts **Geli:** 1. **Weg vom Gegenlicht:** Licht von **vorne** ins Gesicht, **nicht** das Fenster im Rücken. 2. **Nah am AP bleiben:** im selben Raum wie der Cudy testen, **nicht** draußen an der Außenmauer/Bank. 3. **„Weniger Daten für Anrufe" = Immer** (siehe oben). **Christoph:** 1. Beim nächsten miesen Call **Kamera kurz aus** → wird der **Ton** sofort sauber? 2. Merken: **Uhrzeit**, **hell/dunkel**, **drinnen/draußen**, **in Bewegung?** **Beide ansagen:** Wer sieht/hört wen schlechter? (Erwartung: **Christoph hört/sieht Geli** schlechter) ### Was bedeutet welches Ergebnis? - **Kamera aus → Ton sofort sauber:** Engpass ist die **Video-Datenrate/der Weg**, nicht der Ton selbst. - **Besseres Licht hilft spürbar:** das **dunkle/Gegenlicht-Bild** (Knick 1) ist ein großer Faktor. - **Näher zum AP hilft spürbar:** **Gelis WLAN-Uplink** (Knick 3) ist ein großer Faktor. - **„Weniger Daten" hilft:** es ist **bandbreiten-/datenraten-gebunden** (wir füttern zu viel in zu wenig). - **Tagsüber klar besser als abends:** der **Provider-Weg/Stau** (Knick 2) schlägt durch — das ist der Teil, den wir lokal **nicht** kontrollieren. - **Selbst nah am AP, gutes Licht, tagsüber, nur Audio noch mies:** dann zeigt der Finger auf den **ISP/CGNAT-Weg** → dort müssen wir ansetzen (Anbieter-Anfrage / direkter Weg), nicht am WLAN.